Neue Wettsteuer im Zuge der Liberalisierung von Sportwetten in Deutschland

Der deutsche online Sportwettenmarkt kommt immer noch nicht zur Ruhe. Branchenvertreter kämpfen seit Jahrzehnten nicht nur um die Liberalisierung, sondern auch um faire und transparente Strukturen. Der auf Geheiß der EU verabschiedete neue Glücksspielstaatsvertrag bringt zwar die Marktöffnung und beseitigt die vorhandenen Rechtsunsicherheiten, aber die Ungewissheit über die Zukunft bleibt.

Denn nicht nur die Wettanbieter, auch die EU zeigt sich unzufrieden mit dem Gesetz. Während die Sportwette liberalisiert ist, verbleiben Lotto und Casino im Staatsmonopol. Zudem wird der Markt nur für 20 Lizenznehmer geöffnet. Klare Verstöße also gegen die Dienstleistungsfreiheit.

Die Länder, in deren Zuständigkeitsbereich das Glücksspiel fällt, müssen sich also ein neues Modell einfallen lassen. Zudem haben nur 15 der 16 Bundesländer den Vertrag unterzeichnet. Die EU sieht nicht ein, warum innerhalb eines Staates unterschiedliche Regeln gelten sollten.

Schleswig-Holstein wollte sich daher im Dezember als letztes Land dem Staatsvertrag anschließen. Doch weil dieser eben gegen EU-Recht verstößt, wird es dazu nicht mehr kommen. Staatdessen werden in Kiel weiterhin Glücksspiellizenzen nach eigener Gesetzeslage vergeben. Für online Sportwetten gibt es mittlerweile 15 konzessionierte Anbieter.

Die Abwicklung in den übrigen Ländern folgt hingegen seinen eigenen Gesetzen. Mitte des Jahres trat der Staatsvertrag in Kraft, doch bis heute wurde noch keine Lizenz erteilt.

Dem neuen Gesetz zur Wettsteuer, welches die Marktöffnung begleiten sollte, wird hingegen seit 1.7.2012 Folge geleistet: 5% der Wetteinsätze deutscher Kunden sind abzuführen. Das bisherige Steuergesetz war ortsgebunden und hat online Wettgeschäfte bei ausländischen Anbietern unbehelligt gelassen. Seit Mitte des Jahres entscheidet jedoch der Wohnsitz des Wettkunden, ob das Gesetz zur Anwendung kommt.

Für Buchmacher und Konsumenten ist die Neuregelung schwerwiegend: Nicht der Gewinn aus dem Buchmachergeschäft wird besteuert, sondern alles Geld, das sich im Umlauf befindet. Doch von den Wetteinsätzen werden rund 95% wieder als Wettgewinne an die Kunden ausgeschüttet. Es verbleibt in etwa 5% Gewinnspanne, die somit exakt der Höhe der Steuerabgabe entspricht.

Die Wettanbieter sind daher gezwungen, ihr Finanzierungsmodell zu überarbeiten. Einige versuchen die zusätzlichen Ausgaben über andere Einnahmequellen herein zu holen, andere verrechnen die Steuer an ihre Kunden weiter. Wie das Sportwetten Portal Wettfreunde.net berichtet können Wettkunden bei den Anbietern Betsafe, Tipico, Ladbrokes, Expekt und Betsson noch zu alten Konditionen – sprich ohne Steuern – wetten.

1 Comment Posted

  1. Diese Sportwettensteuer ist sehr blöd, da sie in der Regel auf die Kunden umgelegt wird oder das Geschäftsmodell von Anbietern gar ganz gefährdet (siehe Betfair). 95% Ausschüttung sind es sicher auch nicht, da der Anbieter selbst ja auch noch seine Marge haben will. Sind dann eher bei 85% bis 90%. Ist zwar noch viel mehr als beim Lotto aber weniger als vorher.

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